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Daheim sterben die Leut‘

Drhoim sterbet d’Leit und beim Boschdwirt deannet, do isch scho achtzg Johr koiner me gschtorba!

Titelgebend für den Film ist die – laut Wikipedia – beliebte Rechtfertigung Allgäuer Kneipengänger, dass beim Postwirt im Gegensatz zum eigenen Zuhause schließlich schon seit achtzig Jahren niemand mehr gestorben sei. Ich habe die BluRay-Version dieses Werks aus dem Jahre 1985 gesichtet, welche die Produktion adäquat auf ein modernes Medium transportiert. Bildqualität, Tonabmischung (gehört habe ich die DD 5.1 Spur) sind meiner Ansicht nach ausreichend.

Wesentlich interessanter als die technische Umsetzung der Veröffentlichung ist bei diesem Film doch eher der Inhalt. Im Grunde ist es ein Heimatfilm, aber dann auch wieder nicht. Wie ich gerade schon zu einem Bekannten sagte:

 The first Heimatfilm that didn’t make me feel nauseous

In aller Regel sind Heimatfilme schrecklich kitschige Machwerke, die einen auf Plattitüden und der Einfachheit des Lebens basierenden Humor bieten. Oftmals wird der Eindruck erweckt, es handele sich bei der Zielgruppe um Menschen, die einen gewissen Promillegrad nicht unterschreiten. Ganz anders dieser Streifen von Klaus Gietinger und Leo Hiemer, die beide leider nicht mehr viel im Nachgang produziert haben, wenn man sich die IMDb-Einträge ansieht.

Hier wird mit viel Charme eine Welt des Westallgäus gezeichnet, in der Glaube durch Aberglaube konterkariert wird. Obrigkeitstreue durch zivilen Ungehorsam. Tugend durch Laster. Eingebettet ist die Handlung dabei in ein kleines Kaff, in dem – von einem aus Württemberg stammenden Landrat – eine neue Wasserleitung in eben jenen Ort gelegt werden soll.  Als Protagonisten folgt der Film dabei primär der Bauernfamilie Allgaier, deren Vater Hans nachts ein Munitionsdepot der Bundeswehr bewacht und gar nicht so recht einsehen möchte, warum er denn jetzt mehrere tausend DMark für einen Wasseranschluss bezahlen soll, wenn er doch eine eigene Quelle auf seinem Grundstück hat.

Auf dieser Grundlage entspinnt sich ein in der Allgäuer Natur eingebettetes, amüsantes Theater, in dem Landvermesser mit Mistgabeln verscheucht werden, der Teufel erscheint, Wunderheiler ihr Werk tun, eine Kommune freie Liebe propagiert, etc. pp. Dabei fällt der Film – wie eingangs erwähnt – selten bis gar nicht auf Plattitüden zurück, sondern bringt den Zuschauer eher durch die handelnden Personen und die darüber transportierten Inhalte zum Schmunzeln. Dann und wann hat der Film extrem irritierende Zwischenpassagen, die als Überblendungen zwischen Szenen oder auch direkt in Szenen eingebettet auftauchen. Ich sage nur „Stöpselkontrolle“ oder der Sturz des Pfarrers von einem Wasserfall (?). Obwohl diese Ein-/Überblendungen stellenweise äußerst irritierend waren, wirkten sie auf mich nicht deplatziert, sondern trugen zur unterhaltenden Atmosphäre eher bei. Dazu fand ich den gesprochenen Dialekt, der in anderen (vermutlich preussischen) Reviews als „bayerisch“ eingestuft wurde, für mich eher schwäbisch klang, sehr schön. Durch die Besetzung mit (mutmaßlichen) Laiendarstellern wirkte das Gesehene recht authentisch, wenn man das als außenstehender Nicht-Allgäuer so sagen darf/kann.

Über die Handlung selbst möchte ich für Menschen, die den Film vielleicht noch vor sich haben, aber jetzt nicht allzu sehr ins Detail gehen. Auch wenn es keine unvorhergesehenen Wendungen oder kongenialen Kniffe diesbezüglich gibt. Als Fazit muss ich sagen, dass ich positiv überrascht war und den Film jedem nahelegen kann, der gelungene Unterhaltung mit Lokalkolorit sehen möchte. Starke 7/10, werde ich sicherlich irgendwann wieder anschauen.

Veröffentlicht inBewegtbilder

2 Kommentare

  1. Xhinde Xhinde

    Ich warte noch immer auf Der Bunker…

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