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Star Wars Episode VII

Mit Star Wars: The Force Awakens gelingt Regisseur J. J. Abrams, was George Lucas in den zuletzt erschienenen Episoden I-III nicht gelang. Star Wars in modernem Gewand auf die große Kinoleinwand zu bringen. Dabei ist bezeichnend, dass – wie es ein Kollege formulierte – ausgerechnet der Film, der unter der neuen Ägide von Disney hergestellt wurde, deutlich weniger wie ein typischer Disney-Streifen herüberkommt, als es Ep. I-III taten. Den Vergleich mit den Vorgängern muss sich Episode VII allerdings in direkter Konkurrenz zu Episode I und IV gefallen lassen, waren diese Teile jeweils auch ein Vorläufer der entsprechenden Trilogie.

Die Bewertung des Gesehenen fällt recht leicht: Episode VII ist eher auf dem Niveau von Episode IV als es Episode I war. Ob VII nun besser als IV ist? Das ist eine Frage, die eher schwer mit einem „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten ist. Rein technisch gesehen macht Episode VII alles richtig, was die neuere der zwei abgeschlossenen Trilogien falsch gemacht hat. Die Effekte sind hochglänzend, wo es möglich war wurde mit Masken und Kostümen gearbeitet und die Sets scheinen weniger Greenscreen behaftet zu sein als in Lucas‘ jüngeren Werken. Für mich war dabei das Einbetten der CGI hervorragend gelungen, es entstand niemals der Eindruck, das Bild wäre mit zuviel computergenerierter Spielerei zugepflastert, wie es z.B. bei den Droidenarmeen der letzten Trilogie der Fall war. Das Gefühl, dass beim Betrachten der Bilder – in Zusammenarbeit mit dem konstant guten musikalischen Hintergrund unter der Leitung von John Williams – entsteht, ist definitiv „Star Wars“.

Das Drehbuch ist hier leider eher als Schwachpunkt zu betrachten. Anstatt eine innovative, neue Geschichte zu erzählen, hat man den unterschwelligen Eindruck, dass man nichts neues, sondern die Geschichte der originalen Trilogie mit ausgetauschten und sogar wiederkehrenden Charakteren sieht. Dass es an dieser Stelle etwas früh für ein finales Urteil ist, steht außer Frage. Episode VIII und IX fehlen schließlich noch und sind für eine Bewertung der Gesamthandlung zwingend notwendig.

Nichtsdestotrotz – und in diesem Absatz folgen milde Spoiler – ist die Geschichte des Macht-affinen Charakters, der sich von einem Wüstenplaneten aus aufmacht, die Galaxis vor dem Bösen zu retten nicht wirklich mehr als alter Wein in neuen Schläuchen. Außgerechnet das Gesicht des mutmaßlichen (natürlich eine Maske tragenden) Erzschurken in der ersten Episode zu enthüllen – bei den Parallelen zum Original – erscheint mir dabei als dezent antiklimaktisch und deplatziert, aber es folgen noch zwei Filme, also muss man wie erwähnt sehen, wie und ob es sich weiter entwickelt. Und wenn wir gerade schon dabei sind: den Todesstern einfach gigantisch zu vergrößern (wenn ich mich nicht verzählt habe, ist das die dritte Version) war auch nicht sehr einfallsreich.

Der Film strotzt – wie bereits in anderen Reviews erwähnt – praktisch nur so von Referenzen und Bezügen zu Ep. IV-VI, ich betrachte das als Fanservice, nachdem Ep. I-III dermaßen enttäuschend waren. Das hat mir persönlich Freude gemacht, andere Menschen können damit vielleicht weniger anfangen. Geschmackssache.

In eigener Sache noch zwei Kleinigkeiten, die mir sauer aufgestoßen sind: ein Tie Fighter verfügt zumindest im mir bekannten Kanon der Ur-Trilogie weder über Torpedos, Raketen noch über einen Hyperraumantrieb. Für mich als damals langjährigen Piloten der imperialen Navy im hervorragenden Spiel Tie Fighter grenzte das schon an einen Affront. Und dann noch die Sache mit den drei oder vier Geschwadern X-Wings, die als Flotte bezeichnet werden. Was uns zu Punkt drei führt: die deutsche Synchronisation ist, nun, nicht sehr empfehlenswert bis unterirdisch. Bestes Beispiel: Tie Jäger (gesprochen wie englisch Tee, also Tea, reimt sich auf Sie…). Das ist aber nichts neues und dürfte kaum jemandem auffallen, der Filme grundsätzlich in lokalisierten Versionen konsumiert.

Als Fazit bleibt: in Anbetracht der verdammenswerten Episoden I und II, sowie der halbgaren Episode III war es eine Freude, Episode VII anzusehen. Der Film bekommt auf deutsch eine solide 7/10, auf englisch würde ich ihn vermutlich 8/10 einstufen. Wie sich die Geschichte und damit die Qualität der neuen Episoden weiter entwickelt, liegt in den Sternen. Ich werde auf jeden Fall auch bei Episode VIII wieder im Kino sitzen. Hoffentlich in der englischen OV.

Header-Bild basierend auf „Star Wars Days 2013 at LEGOLAND“ von Ayleen Gaspar, CC BY 2.0
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Ein Kommentar

  1. Ja, mich beschlich auch der Eindruck, daß eine alte Geschichte wieder und nicht wirklich neu erzählt wurde. Die Charaktere wurden durch jüngere Pendants ausgetauscht. Da Regisseur JJ Abrahms schon Star Trek zur Verjüngungskur verhalf, wundert mich der Stil hier nicht. Alles in allem habe ich einen sehr soliden bis guten Star Wars Film gesehen, welcher in den weiteren Teilen noch ordentlich Luft nach oben hat.

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