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Star Wars: The Last Jedi

Der nachfolgende Pfosten enthält Haupt-Verderber. Wer den/die Film(e) noch nicht gesehen hat, hört hier auf zu lesen! Nach dem Star Wars Auffrischkurs haben wir es letzte Woche Mittwoch tatsächlich in recht großer Zahl ins IMAX nach Karlsruhe geschafft.

Die spannende Frage ist: ist Episode 8 gut? Ich denke mal im konkreten Vergleich mit Episode 7 und in Bezug auf die Einordnung im Star Wars Universum generell kann man die Frage getrost mit ja beantworten.

Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson liefern mit dem mittlerweile 8. Kapitel (und dem 9. kanonischen Hauptfilm anno Disney – das Star Wars Holiday Special blenden wir an der Stelle bitte komplett aus) der Saga einen durchweg gelungenen Ansatz zur Weiterentwicklung der dritten Trilogie.

Ein bisschen vergleichen muss sich der Film mit den Episoden 5 und 6, hier sind recht deutliche Kopfnicker und Verbeugungen platziert, die Handlung ist aber dahingehend soweit eigen, dass er im Gegensatz zu Episode 7 nicht eine schlichte Kopie eines bisher dagewesenen ist. Darüber muss er im Gegensatz zu 7 auch nicht mit mehr als 20-30 Linseneffekten (da haben wir zu zählen aufgehört) hinwegtäuschen.

Anstatt auf der Stelle zu treten, werden Entscheidungen getroffen, die man als folgerichtig einordnen kann. Die Rebellen sind – ähnlich wie in Ep. 5 – auf der Flucht vor dem Imperium der Ersten Ordnung, aber im Gegensatz zu Ep. 5 ist ihre Zahl derart dezimiert und ihnen der Feind so dicht auf den Versen, dass sich genau dieser Umstand hervorragend als überspannende Rahmenhandlung in das Geschehen des Films einpasst.

Auf die Insel mit dem ersten Jedi-Tempel, auf die sich Luke nach dem missglückten Ausbildungsversuch von Ben Solo zurückgezogen hat, zieht der Zuschauer zwar visuell nicht direkte parallelen zu Dagobah (versenkter X-Wing im Wasser außen vor), inhaltlich erinnert doch einiges beim Verhältnis zwischen Rey und Luke an das Verhältnis zwischen Luke und Yoda. Aber es sind eher Zitate, als dass es chinesische Kopien sind, die sich darbieten. Dieser Insel entspringt leider auch der größte Kritikpunkt, den ich an dem Film habe. Die unsäglichen Porgs. Nach dem Re-Konsum von Episode 6 muss ich an dieser Stelle sagen: diese Merchandise-Automaten nerven mich im gesamten Verlauf des Films noch mehr als die Ewoks.

Zurück zum Lobgesang: auch in Bezug auf Adam Driver als Ben Solo war ich nach der Sichtung von Episode VII extrem skeptisch, in Episode VIII weicht diese Skepsis dann vor allem im hinteren Drittel letztlich doch der Gewissheit, dass hier keine Fehlbesetzung stattgefunden hat sondern die Rolle in Ep. 7 unglücklich transportiert wurde. Kylo Ren als zorniges und mitunter ängstliches Kind, das kann ich mir gefallen lassen. Auch sehr schön, dass er die dämliche Rick Morranis-Maske direkt am Anfang zu Klump schlägt. Und noch schöner die Kameraeinstellung, die direkt darauf folgt.

Bei dem Handlungsstrang um Finn und Rose schwächelt der Teil dann leider etwas. Der Casinoplanet ist handwerklich und inhaltlich betrachtet einer der unterbelichteten Teile des Films und dass der Handlungsstrang dann quasi im Nichts verpufft macht ihn nicht sehr viel besser. Benicio del Toro verkörpert dennoch einen sehr netten, wenn auch kurz auftretenden Charakter. Hier hätte man vielleicht doch die unbequeme (je nach Kino) Laufzeit von 152 Minuten etwas reduzieren können. Finn erhält leider in diesem Teil recht wenig Progression, immerhin wird Paul als Haudegen aufgebaut, was vielleicht dem Universum wieder die Balance gibt, nachdem Han Solo ja in den vorzeitigen Altersruhestand geschickt wurde.

Zwischen Ausbildung von Rey, Einsammeln des Kodierbrechers und der kumulativen Endlösung gibt es mitunter den ein oder anderen Moment, bei dem der Humor zu sehr quält. Vor allem beim ersten Anschauen, bei der zweiten Sichtung hat man in diesen Momenten mehr Zeit um sich auf das unwesentliche zu konzentrieren und muss nicht wie ein Irrer den Fluss der Handlung herunterrasen. Was mich persönlich als den am Meisten zur Fremdscham einladenden Moment getroffen hat war vermutlich Carrie Fishers aka Leias Flug durch das Weltenall. Wäre vermutlich nicht so schlimm gewesen, wenn sie ihre Hand unten gelassen hätte, aber gut. Es ist wie es ist.

Zum Schluss hin kulminieren die beiden parallelen Handlungsstränge (auch hier ein deutliches Nicken an Ep. 5) in drei Dingen:

  1. Einem sehr schön koreographierten und farbgebungstechnisch wundervollen Kampf im Saal von GröFaZ Snoke. Der gottseidank sehr schnell und unspektakulär das Zeitliche segnet, der Charakter war sowieso uninteressant und/oder mit zu wenig Hintergrund ausgestattet).
  2. Einer verflucht wirkungsvollen Zeitlupe. Der Hyperraumsprung in das Flaggschiff von Snoke ist IMHO einer der ikonischen Momente des Films.
  3. Der Schlacht um Hoth Der Schlacht um Crait. Die Entscheidung Luke nicht physikalisch vor Ort sein zu lassen ist zwar ein bisschen telegraphiert wenn man genau hinschaut (Lichtschwertfarbe sollte grün sein, ist auf einmal blau wie bei Anakin, aber dessen Lichtschwert ist kaputt). Aber es ist eine sehr gute Entscheidung. Luke macht den Obi Wan und erteilt seinem ehemaligen Schüler Solo eine geistige Klatsche und verpufft dann im Wohlgefallen der Macht. Passend zur Doppelsonne wie bei Episode IV auf Tatooine. Aber Ahch-To hat ja auch noch die Milch als Reminiszenz zum Farmerleben von Luke (grün oder blau ist ja egal). Sehr schön auch der Weiß-Rot-Kontrast an der Stelle.

Technisch kann man eigentlich nichts negatives sagen. Die Qualität der Spezialeffekte und der Inszenierung generell ist wahnsinnig hoch. Sowohl im IMAX als auch im normalen Kino machen die Bilder Spaß, wenngleich der Ton und die Bildqualität im IMAX einfach ein Quäntchen mehr herauskitzeln.

In puncto 3D muss sich die reguläre Kinoprojektion mit aktiven Shutter-Brillen allerdings den Vorwurf der (Tiefen-)Unschärfe an der ein oder anderen Stelle gefallen lassen, die in Karlsruhe so nicht in meiner Erinnerung aufgetreten ist. Das sind aber eher kleinere Minuspunkte, die nicht weiter ins Gewicht fallen. Letztlich ist es ein persönlicher, subjektiver Eindruck.

Die Kamera und Bildkomposition ist sehr gut, ich begrüße die Wahl des Regisseurs zu seinen Überblendungen im Vergleich zum Vorgänger (und hoffentlich nicht Schlächter des Folgefilms).

Zum Casting will ich an sich auch nichts negatives sagen. Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt grundsolide bis gut. Schade nur, dass Laura Dern in F is for Family die weibliche Hauptrolle spricht, das entwertet ihre Stimmt in ernsten Filmen ein wenig.

Fazit: Wenn man Episode 5 und 6 gemocht hat, bekommt der geneigte Star Wars-Fanatiker mit Episode 8 einen schönen Star Wars Film, der stellenweise in Pathos ertrinkt, aber das ist gottverdammt nochmal genau das, was ich mit dem altgedienten Thema von John Williams auf der Leinwand sehen will, wenn Star Wars darauf steht. Ich persönlich platziere diesen Film in meiner Star Wars-Bewertung ca. zwischen Episode 6 und 4. Es ergibt sich also – von gut nach schlecht: 5,6,8,4,Rogue One, 7, ., ., ., ., ., ., ., ., ., 3, 2, 1. Würde auch nochmal anschauen :-).

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